St. Seb. Schützenverein Düsseldorf 1316 e.V.

Nachlese

Titularfest des
St. Sebastianus Schützenvereins
Düsseldorf 1316 e.V.

 

Sigrid Nelsen

 

Bei trockenem Wetter und Temperaturen um die winterlich milden 7 Grad begingen die Schützen am 12.01.2020 das Titularfest zu Ehren des Heiligen Sebastian.

Um 9:00 Uhr trat das gesamte Regiment am Rathaus an. Nach 36 Jahren unter der Führung von Günther Pannenbecker begrüßte in diesem Jahr der neue Oberst Ernst-Toni Kreuels das Regiment. Nachdem er allen Anwesenden ein frohes neues Jahr gewünscht hatte, ließ er die Fahnenträger der drei diesjährigen Jubiläumskompanien antreten und versah die Fahnenspitzen mit den Jubiläumsabzeichen. In diesem Jahr feiern die 2. Grenadiere „Jakobus“ ihr 175-jähriges Jubiläum, die Gesellschaft Königin Stephanie ihr 150-jähriges Jubiläum und die Gesellschaft Andreas Hofer ihr 100-jähriges Jubiläum.

 

Nach einem kurzen Marsch von Rathaus durch die Gassen der Altstadt fand in der Basilika Sankt Lambertus das festliche Hochamt statt. Die diesjährige Predigt hielt Pastor Decker, der mit seinen verständlichen und einprägsamen Worten sehr viel Zustimmung fand.

Er hatte das Thema „Vertrauen“ gewählt und berichtete, dass uns in den ersten Tagen des Jahres 2020 bereits die Vertrauensfrage gestellt worden ist. In der Rheinischen Post wurde ein Artikel veröffentlicht bezüglich einer Umfrage an Verbraucher. Diese waren gefragt worden, zu wem sie das meiste Vertrauen besitzen. Es folgten die meisten Antworten bei Werbeagenturen, Managern, Islam etc. Die katholische Kirche wurde erst auf dem viertletzten Platz genannt. Für Pastor Decker war das Ergebnis wie eine persönliche Niederlage, zwar nicht verwunderlich, aber gleichwohl schockierend. Er stellte die Frage, ob wir vielleicht das Vertrauen verloren haben und wies darauf hin, dass wir nicht vergessen dürfen, wie viele kirchliche Hilfswerke und soziale Beratungsstellen bestehen, wie zum Beispiel „Misereor“, „Caritas“, „Brot für die Welt“ und die „Sternsinger“. Im Jahr 2019 waren 300.000 Kinder in Deutschland unterwegs und haben 50 Millionen € gesammelt mit der Aktion „Kinder für Kinder“. Unzähligen Menschen kann damit geholfen werden, die sich entweder vertrauensvoll an die Organisationen wenden, oder von dieser profitieren und Vertrauen gewinnen. Pastor Decker stellte in den Raum, dass wir überlegen sollten wem wir überhaupt vertrauen. Dem Ehepartner? Unseren Kindern? (Viele „Helikopter-Eltern“ kreisen sorgenvoll über den Kindern, um diese zu schützen, ohne Vertrauen zu haben.) Vertrauen wir den Schützen? Dem neuen Oberst? Den Politikern? Diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Entscheidend ist laut Pastor Decker, dass wir tiefes Vertrauen brauchen. Man muss für Vertrauen bereit sein, dafür muss man Mut haben. Wir müssen das Vertrauen neu lernen, das Vertrauen, auf die innere Stimme zu hören und die gegenwärtigen Geschehnisse einzuordnen. Wir sollten das Vertrauen, dass wir in die Wiege gelegt bekommen haben neu entdecken und den Mut haben, auf neuen Wegen zu gehen.

 

Nach der feierlichen Messe marschierten die Schützen zur Reunion in die Rheinterrasse. In seiner Begrüßungsansprache wünschte Lothar Inden zunächst allen Anwesenden ein erfolgreiches und zufriedenes Jahr 2019 mit Gottes Segen. Er fuhr fort mit der Begrüßung der Ehrengäste. Erwähnt werden sollen hier beispielhaft Carina Gödecke (1. Vizepräsidentin des Landtages NRW), Friedrich Conzen (1. Bürgermeister der Stadt Düsseldorf), Burkhard Hintzsche (Stadtdirektor der Stadt Düsseldorf ), Klaus Klar (Chef der Rheinbahn) als Gästekönig und diesjähriger Festredner, André Dornbusch als amtierender Regimentskönig und Johnny Calero Gascon als Jungschützenkönig.

Ein besonderer Höhepunkt des diesjährigen Titularfestes stellte die Übergabe der Insignien durch den ersten Chef an den neugewählten Oberst Ernst-Toni Kreuels da. Es war ein feierlicher Moment, als Lothar Inden dem neuen Oberst die Oberstkette umhängte und die blaue Oberstschärpe überreichte. Am 09.12.2019 wurde er von der Gesellschaft König Friedrich und der Gesellschaft Reserve als neuer Oberst vorgeschlagen und mehrheitlich gewählt. Ernst-Toni ist selbst bereits mehr als 40 Jahre ein erfahrener Schütze. Als Oberstleutnant gehörte er dem erweiterten Vorstand der St. Sebastianer an. Dem früheren Oberst hatte er in den letzten Jahren stets den Rücken freigehalten und konnte sich zeitig einen Überblick über die Aufgaben verschaffen. Ernst-Toni gehört der Gesellschaft König Friedrich an. Seit frühester Jugend hatte er auf dem Hof der Eltern mit vielen Tieren Kontakt und entdeckte hier die Liebe zu den Pferden. Er ist ein hervorragender Reiter. Im vergangenen Jahr war er Mitglied der Satzungskommission. Lothar Inden betonte, dass er sicher sei, dass Ernst-Toni insbesondere aufgrund seines Sachverstandes und seiner typischen besonnenen Art bestens geeignet sei, die Anforderungen eines guten Oberst zu erfüllen mit Durchsetzungskraft, Toleranz und im Austausch mit der Vereinsspitze.

 

Im Anschluss daran wurde Jonas Abs (Gesellschaft 1. Grenadiere), der erst vor einem Jahr zum Adjutant ernannt worden war, zum Hauptmann des Stabes ernannt. Jonas kommt aus einer schützenaffinen Familie, bereits sein Vater und Großvater waren in der Gesellschaft. Nachdem er zunächst zweiter Schriftführer und dann Leutnant war, ist er fünf Jahre als Gastreiter in den Festumzügen geritten.

 

Ein weiterer Höhepunkt war die Festrede des Rheinbahnchefs Klaus Klar. Vor der Festrede musste sich Klaus Klar einen kleinen Seitenhieb vom 1. Schützenchef gefallen lassen. Ausgerechnet in dem Jahr, in dem er als Chef der Rheinbahn der Gästekönig ist, ist der bestellte Bus nicht gekommen, der die Ehrengäste nach dem Festhochamt zu Rheinterrasse fahren sollte. Lothar Inden stellte fest, es könne wohl nicht an der Umweltspur gelegen haben. Jedenfalls habe es sehr stark geweht, von unten nach oben, es wurde immer eisiger, aber auch nach einigen Telefonaten sei kein Bus gekommen. Er habe also den Ehrengästen vorschlagen müssen, einen „erfrischenden Marsch“ zur Rheinterrasse vorzunehmen. Zum Glück sind alle Ehrengäste wohlbehalten angekommen.

 

Zur großen Begeisterung aller Schützen verkündete der Rheinbahnchef in seiner Festrede, dass alle Mitglieder eines Schützenvereins, die uniformiert an den Kirmestagen 2020 unterwegs sind, kostenlos Bus und Bahn nutzen dürfen. Auch jeweils eine Begleitperson darf kostenlos mitfahren. Eine tolle Idee, die dem Festredner sehr viel Beifall bescherte. Er kündigte weiter an, es werden in diesem Jahr einige neue Fahrzeuge eingesetzt. Darunter sollen sich auch eine „Schützenstraßenbahn“ befinden, die von dem Künstler Jacques Tilly innen und außen mit Symbolen der Schützen versehen wird. Es sei noch anzumerken, dass der Rheinbahnchef sich bei den Schützen so wohl fühlt, dass er Mitglied bei der Gesellschaft Reserve wird.

Der Regimentskönig André Dornbusch hatte sich ausdrücklich gewünscht, keine Geschenke während seiner Amtszeit zu erhalten, sondern Geld zu sammeln zugunsten der Palliativstation im Florence-Nightingale-Krankenhaus. Während der Veranstaltung wurde für diesen karitativen Zweck gesammelt. Es kam die stolze Summe von 2000 € Spenden zusammen. Mit diesem Geld sollen besondere Wünsche der Patienten ermöglicht werden, zum Beispiel Musik- und Kunsttherapie, Hochzeiten auf der Station etc.

 

Traditionell werden beim Titularfest zum Abschluß die Pokalsieger des Wiedemeyer-Schießwettbewerbes und die besten Einzelschützen prämiert.

Im Schießen um den Wiedemeyer Pokal konnten sich mit einem Ergebnis von 477 Ringen die Gesellschaft 10. Grenadiere „Germania“ durchsetzen, gefolgt von der Gesellschaft Königin Stephanie 1870 auf dem 2. Platz und der Gesellschaft 3. Grenadiere „Jan Wellem“ auf dem 3. Platz.

 

Vereinsmeister wurde Andreas Becker (Gesellschaft Sankt Lambertus 1850) mit 99 Ringen. Bester Jungschütze wurde Pascal Schiffer (Gesellschaft Königin Stephanioe 1870) mit 98 Ringen und bester Page ab 12 Jahre wurde zum wiederholten Mal Jason Scharein (Gesellschaft 1. Friedrichstädter von 1875).

Eine ausführliche Liste mit allen Ergebnissen des Wiedemeyer-Pokal-Schießens ist unter der Rubrik „Schießsport“ zu finden.

Gegen 13:25 Uhr wurde die traditionelle Reunion beendet und alle Anwesenden wurden mit den besten Wünschen des Schützenchefs Lothar Inden in den weiteren Sonntag entlassen.