St. Seb. Schützenverein Düsseldorf 1316 e.V.

Historischer Festzug

Der letzte Ritt des
Oberst Pannenbecker

 

Parade: Tolle Resonanz bei Bürgern und Gästen

 

Peter Frank

 

Es ist schon so gut wie Tradition, dass sich die Gäste des St. Sebastianus Schützenverein Düsseldorf 1316 vor der Parade zu einem kleinen Stelldichein im Garten des Schlossjägerhofs treffen. Bei herrlichem Sonnenschein und einem gut aufgelegten, witzelnden Lothar Inden sollte der Tag einen schönen Ausklang finden: „Wie Sie sehen, sehen Sie nichts!“ Er sprach vom Begrüßungsblumenstrauß der versehentlich irgendwo schlummerte und ihm nicht gebracht wurde. Inden witzig und schmunzelnd vergnügt: „Ich gehe davon aus, dass Sie sich freuen, besonders mich zu sehen!“ Der 1. Chef war wieder in Fahrt und legte gleich nach, denn seine Begrüßungsrede sollte nach seiner Auffassung kurz sein, doch wollte er doch den ein oder anderen schon erwähnen. „Zur Begrüßung kommen nur die, die hier aufgefallen sind“, frotzelt er weiter und hatte bereits auch schon jemanden im Auge, den er so gar nicht begrüßen wollte. Nachdem er Politiker, Vorständler und auch den Pfarrer gewürdigt hatte, kam er zum Schluss doch noch auf den zurück, den Inden im Visier hatte. Es war der Baas der Düsseldorfer Jonges Wolfgang Rollshoven. „Sie sagen viel auch wenn es nicht immer angebracht ist“, ruft Schützen-Chef vom Balkon des Gartens in Richtung des Baas grinsend herüber.

 

Gut gelaunt machten sich nun Gäste, Schützen und Musik auf den Weg zu ihren Plätzen auf der Reitallee vor dem Schloss Jägerhof. Die Seiten der Allee säumten bereits schon sehr früh viele Besucher, die sich rechtzeitig einen Platz hinter den Absperrungen sicherten. Das Wetter prächtig, die Schützengesellschaft bester Laune und eine traurige Nuance, denn der beliebte und stadtbekannte Oberst Günther Pannenbecker sollte heute seinen letzten Ritt zur Parade haben. Nachdem die Kalesche mit Schützenkönigin Kerstin Eichenberg und Gefolge beim Vorstand vorfuhr und auch der Pagen- und Jungschützenkönig ihren Platz gefunden hatten, ging ein Raunen durch die Menge, denn Oberst Günther Pannenbecker kam bei seinem letzten Ritt zur Abnahme des Regiments im Galopp heran, machte Meldung und ritt zügig, gar majestätisch zu seinem Regiment zurück

 

Emotionen weit und breit

Angeführt von der Regimentskapelle Werner Bendels und dem Artillerie Fanfarencorps, zieht der erste Teil des Trosses heran. Im Stechschritt und zackiger Musik postieren sich die Musiker vor dem Honoratioren. Die Schützen ziehen, teilweise militärisch grüßend, am Vorstand, an Königinnen und Gefolge sowie am bereits vom Pferd gestiegenen Oberst Pannenbecker vorbei. Königin Kerstin Eichenberg wischt sich die ersten Tränchen von der Wange. Dies sollte sich im Laufe der Parade wiederholen, gab es doch genug emotionale Gründe.

 

Dieses Schützenjahr ist wohl ein ganz besonderes emotionales, nicht nur die Königinnen, die in den nächsten Tagen weichen müssen. Auch die Verabschiedung von Oberst Pannenbecker bewegt die Schützen und ihre Gäste. Ihm selbst ist anzumerken, wie er bei den stehenden Ovationen der Gäste und dem aufbrausenden Applaus der anwesenden Zuschauer mit seinen Emotionen zu kämpfen hat. Als dann noch seine Tochter als Kurfürstin Medici verkleidet an ihm vorbeireitet und dem Vater zunickend den Hut hebt, rollt auch beim ihm so manches Tränchen die Wange herunter.
Doch eines ist in diesem Jahr auch zu bemerken, der Nachwuchs boomt bei den Schützen. Auffällig bei der Parade: Kids in Uniform, die Fahnen mit „Danke Günther“ schwenken, kleine Mädchen, die in historischen Kostümen vorbeiflanieren oder einfach nur Stolz und ausdauernd mitmarschieren. Nicht nur für den Vorstand, die Schützenkameraden und die Gäste eine Augenweide

 

Abschiedsklänge

Den Abschiedsklängen für den Oberst schließen sich weitere unerwartete Rückzieher an. So kündigt auch nach 35 Jahren der Chef der Regimentskapelle Werner Bendels an, dass er wie der Oberst in diesem Jahr aufhören wird. Für außenstehende überraschend, für Insider weniger unverhofft, kommt die Ankündigung von Jürgen Hilger, der ein Vierteiljahrhundert diese Parade moderiert an: „Nach 25 Jahren ist Schluss!“ Er lässt die Menschen an den Lautsprechern wissen, dass dies eine wohlüberlegte Maßnahme sei. „Irgendetwas Neues wird kommen“, meint der 60jährige frühere Hoppeditz, der damals noch Höltgen hieß. Seine Nachfolge tritt der Schützenkamerad und Ehrenmajor Heinz Haferung, der der Gesellschaft 1. Grenadiere 1842 angehört. Haferung kennt die Schützen und ihre Belange in- und auswendig.